OT-München

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

      Nachdem Sibel gestern ja so ausdrücklich von der schönsten Stadt der Welt geschwärmt hat, möchte ich als ebenfalls "eingeborene" Münchnerin, ein bisschen was aus meiner Sicht beitragen. Der Linie meines Großvaters gehen nochmal 2 Generationen Münchner voraus. Wir sind praktisch urbayrische Aborigines. ;)
      Heimat hat ja immer einen individuellen Stellenwert und irgendwie hat es mich doch gerührt, dass so ein junges sympathisches Mädchen hier die ihre gefunden hat, auch wenn für sie natürlich ganz andre Dinge wichtig sind, wie für mich.
      München ist eine wunderschöne Stadt, die das Leben lebenswert erscheinen lässt, die Stadt ist grün durch ihre vielen großen Parks in fast allen Stadtvierteln, die Isarauen wildromantisch und von großer Anziehungskraft in allen Jahreszeiten. Viele Straßen sind von Alleen gesäumt oder wenigstens an den Seiten begrünt. Radfahrer haben hier Vorfahrt, die Stadt ist durchzogen von wirklich schönen, angenehm zu befahrenden Radwegen in alle Richtungen.
      Die großen Seen liegen fast vor der Haustüre, die Berge und sogar Italien ist in ein paar Stunden zu erreichen.
      Für Kunst- und Kultur-interessierte, für Künstler und auch für ein breites Publikum gibt es ein wahres Eldorado an Museen, Ausstellungen, Galerien, aktuell und klassische Gustostückerl. Das beste aus Theater, Oper, Musik im weitesten Sinne in altehrwürdigen Gebäuden und jetzt auch in diesem Prachtsommer, fast verlässlich auf großen Plätzen und in lauschigen Innenhöfen.
      Vom geschichtlichen Hintergrund mal ganz abgesehen.

      Den freundlichen Münchner würde ich auch unterschreiben, hier wird man häufig angelächelt und zuvorkommend behandelt, wenn man selber ein nettes Grüß Gott in die Runde wirft. Aber ich mag auch den grantelnden Teil der Bevölkerung, der ein bisschen schwerer zu knacken ist, denn erst da merkt man, dass die Leute meist ein großes Herz haben, wenn man aufrichtig und wertschätzend mit ihnen umgeht.
      Ich lebe gerne hier, und das schon seit über 60 Jahren.

      Natürlich sind hier auch große Arbeitgeberfirmen angesiedelt, was auch die zweite Seiten der Medaille zeigt. Die Stadt platzt aus allen Nähten, es wird gebaut, was das Zeug hält, das Stadtbild hat sich in den letzten Jahrzehnten in rasendem Tempo verändert, nicht immer zum Vorteil. Die gläsernen Hightower stehen drohend noch am Stadtrand. Das Getriebe in der Innenstadt wirkt hektisch, wie in den meisten Großstädten. Von der sprichwörtlichen Gemütlichkeit ist nicht mehr so viel über. Ich war sicherlich schon ein Jahr nicht mehr in der Innenstadt, es gibt keine Zeiten, an denen man sich nicht durch die Fußgängerzone schieben lassen muss, egal ob Ferien oder Shitwetter. Die großen Kaufhausketten, die es in jeder Stadt gibt, tun ihr übriges. Individuelles einkaufen ist hier nicht mehr wirklich gefragt, jeder verkauft und kauft den selben Ramsch. Und "Sale" ist der Magnet für diese Zielgruppe. Leben kann hier nur wer gut oder zu zweit verdient. Der Mietspiegel macht nur noch Höhenflüge. Man fragt sich, wie Familien mit Kindern das managen.

      Die letzten Jahrzehnte packt mich ab und an mal die Nostalgie und ich denke daran, wie das früher war, in meiner Stadt. Damals eben eine Millionenstadt geworden, also schon eine echte Großstadt. Aber ein völlig anderes Flair, ruhiger, gemütlicher, traditioneller. Nicht umsonst hieß es, in Bayern gingen die Uhren anders. Für München trifft das längst nicht mehr zu, es hat sich angepasst, aufgesprungen auf den rasenden Zug. Irgendwie schade.
      Die meisten Hühner werden schon als Eier in die Pfanne gehauen!
      Wir mögen München sehr!
      Am liebsten verbinden wir einen Allianzstadion- Besuch mit einem verlängerten Wochenende.
      Dann gehört immer ein Spaziergang durch den Englichen Garten dazu, mal kurz die Maximilianstrasse und das Bratwurstglöckle ^^
      Viele wollen etwas sein, kaum einer will was werden!

      Haendlmaierin schrieb:

      Natürlich sind hier auch große Arbeitgeberfirmen angesiedelt, was auch die zweite Seiten der Medaille zeigt. Die Stadt platzt aus allen Nähten,

      beim größten (?) war ich von 1965 bis 72 als Software-Entwickler beschäftigt, allerdings in Erlangen, und alle Angebote, nach München zu kommen, konnten mich nicht locken - zu sehr missfiel mir die hektische Atmosphäre an der Hofmannstr. (Perlach kam erst später), unser beschauliches Forschungszentrum im Reichswald zwischen Erlangen und Nürnberg (mit Rebhühnern und Hasen vor den Fenstern unserer Baracken) gefiel mir besser.

      Haendlmaierin schrieb:

      Die letzten Jahrzehnte packt mich ab und an mal die Nostalgie und ich denke daran, wie das früher war, in meiner Stadt.

      Aber München als Ziel zum Flanieren: einfach Spitze.
      Den Viktualienmarkt magst du doch sicher auch? Mich fasziniert er noch mehr als der Ulmer Wochenmarkt auf dem Münsterplatz - und das will was heißen!
      Wissen ist Macht.
      Unwissen macht auch nichts.

      f.p. schrieb:


      beim größten (?) war ich von 1965 bis 72 als Software-Entwickler beschäftigt, allerdings in Erlangen, und alle Angebote, nach München zu kommen, konnten mich nicht locken - zu sehr missfiel mir die hektische Atmosphäre an der Hofmannstr. (Perlach kam erst später), unser beschauliches Forschungszentrum im Reichswald zwischen Erlangen und Nürnberg (mit Rebhühnern und Hasen vor den Fenstern unserer Baracken) gefiel mir besser.

      ....

      Aber München als Ziel zum Flanieren: einfach Spitze.
      Den Viktualienmarkt magst du doch sicher auch? Mich fasziniert er noch mehr als der Ulmer Wochenmarkt auf dem Münsterplatz - und das will was heißen!


      Habe ich doch auch bei diesem Arbeitgeber gearbeitet, als SW-Entwickler/in. Damals sehr zu empfehlen. ^^

      Natürlich mag ich den Viktualienmarkt, das Angebot dort ist unglaublich vielfältig, ein bisschen wie am Naschmarkt in Wien, etwas weniger orientalisch. Es gab Zeiten, da war ich Samstag früh morgens dort erst zum Frühstücken und habe dann die Einkäufe fürs Wochenende gemacht. Da gab es mal einen Ratsch mit den Standlbesitzern, mit den Bauern vom Bauernmarkt, gemütlich und gelassen. Inzwischen ist das alles sehr touristisch, ich ziehe ich unsren kleinen Stadtteilmarkt vor, außer ich brauche Wild. Da gibt es keine Alternative. Ich kenne auch den Markt am Münsterplatz gut und weiß ihn zu schätzen. Der ist von anderer Güte, ich kaufe auch gerne dort ein, wenn das Wochenende beim "Gutsten" stattfindet.
      Die meisten Hühner werden schon als Eier in die Pfanne gehauen!

      Haendlmaierin schrieb:

      Natürlich mag ich den Viktualienmarkt, das Angebot dort ist unglaublich vielfältig, ein bisschen wie am Naschmarkt in Wien,


      Leider ist das Angebot am Naschmarkt nicht mehr sehr aufregend und schon gar nicht vielfältig...
      Die eine Hälfte sind jetzt Lokale (schicki-micki… man lässt sich dort gern sehen, auch wenn das Essen vielleicht eh gut ist... Aber es geht vor allem um "Life-Style") und die Marktstandl bieten eigentlich im Großen und Ganzen die gleiche Ware an. Ich geh gern auf Märkte in Wien - aber am wenigsten gern auf den Naschmarkt.

      Ich könnte ganz viel von dem, was du über München schreibst, für Wien unterschreiben...

      Und hab jetzt richtig Lust bekommen, wieder einmal nach München zu fahren. Leider sind die Menschen, die ich dort gern besucht habe, in den letzten Jahren gestorben...
      Wer nicht genießt, ist ungenießbar... (Konstantin Wecker)
      Och Gott och Gott. Unser Markt hier hat2 Blumenstände, dann was, was man einpflanzen kann an Kräutern und gemüsen, einen Käse und einen Fischstand. Ich wäre in München vermutlich total überfordert :D
      Fußball ist einfach: 22 Männer verfolgen 90 Minuten einem Ball und am Ende bin ich besoffen ;)

      Jane Doe schrieb:

      Haendlmaierin schrieb:

      Natürlich mag ich den Viktualienmarkt, das Angebot dort ist unglaublich vielfältig, ein bisschen wie am Naschmarkt in Wien,


      Leider ist das Angebot am Naschmarkt nicht mehr sehr aufregend und schon gar nicht vielfältig...
      Die eine Hälfte sind jetzt Lokale (schicki-micki… man lässt sich dort gern sehen, auch wenn das Essen vielleicht eh gut ist... Aber es geht vor allem um "Life-Style") und die Marktstandl bieten eigentlich im Großen und Ganzen die gleiche Ware an. Ich geh gern auf Märkte in Wien - aber am wenigsten gern auf den Naschmarkt.

      Ich könnte ganz viel von dem, was du über München schreibst, für Wien unterschreiben...


      Ach, wie schade um den Naschmarkt. Man merkt, dass mein letzter Wienaufenthalt auch schon lange her ist. Vermutlich ist es in vielen Städten das Selbe. Sie entwickeln sich, werden "modernisiert" passen sich dem sog. Lifestyle an, ob wir es nun gut finden oder nicht. Vermutlich ist es unsren Altvorderen ähnlich ergangen.
      Die meisten Hühner werden schon als Eier in die Pfanne gehauen!
      @Haendlmaierin
      genau so ist es.
      Die Alten jammern dem Vergangenen hinterher und die Jungen freuen sich, dass sie neue Wege gehen können.
      Wichtig ist, dass eine Balance zwischen Tradition und Moderne gefunden wird. Das gilt für Städteplanung, Kunst, Musik und Freizeitgestaltung.
      Ich bin froh in einer Zeit zu leben, wo es so viel Fortschritt gibt. Das der auch Schattenseiten hat, ist nicht zu ändern.

      Unser schöner Markt verändert sich auch. Seit Jahren gibt es das Marktfrühstück, ein Winzer darf Wein ausschänken und schon war ein Event geboren.
      Inzwischen hat man den Eindruck, dass esmorgens um 11 Uhr mehr Weintrinker als Markteinkäufer gibt. Die vielen Studenten finden es toll. Wir sind genervt und sauer, es gibt kaum ein Durchkommen zu den Ständen auf diesem Teil des Marktes.
      Mal sehen, wie es sich entwickelt.
      Es muss nicht immer alles Sinn machen. Oft reicht es schon, wenn es Spass macht.

      Jane Doe schrieb:

      Die eine Hälfte sind jetzt Lokale (schicki-micki… man lässt sich dort gern sehen, auch wenn das Essen vielleicht eh gut ist... Aber es geht vor allem um "Life-Style") und die Marktstandl bieten eigentlich im Großen und Ganzen die gleiche Ware an. Ich geh gern auf Märkte in Wien - aber am wenigsten gern auf den Naschmarkt.


      Diesen Eindruck hatten wir auch.

      Jane Doe schrieb:

      die Marktstandl bieten eigentlich im Großen und Ganzen die gleiche Ware an

      … d.h., sie beziehen ihre Ware komplett vom Großmarkt? auch regionale Produkte??
      der Charme unseres Ulmer Wochenmarkts ist das breite Angebot selbst-produzierter heimischer Produkte. Da gibt es kleine Stände, die ausschließlich eigene Ernte anbieten. Die größeren Marktstände holen sich vom Stuttgarter Großmarkt auch die üblichen Südfrüchte etc. und auch Produkte aus der Pfalz (was immer noch als "regional" gilt). Als ich Marika édes kennen lernte, ging sie mit mir manchmal zum kleinen Marktstand ihrer Nagymama und Nagypapa, die dort ihre Gartenblumen, Paprika, Tomaten und Beerenfrüchte aus dem eigenen Kleingarten anboten, so, wie sie es aus Vecsés gewohnt waren, als sie jede Woche mit ihrem Einspänner nach Budapest fuhren.
      Wissen ist Macht.
      Unwissen macht auch nichts.

      f.p. schrieb:

      … d.h., sie beziehen ihre Ware komplett vom Großmarkt? auch regionale Produkte??


      Ziemlich sicher. Dazu jede Menge Standln mit verschiedensten Nüssen, Oliven, Falafel etc. - je nachdem, was gerade in Mode ist. ;)

      Auf "meinem" Markt, den ich vor der Haustüre habe, kommen am Freitag und am Samstag die Bauern aus dem Wiener Umland (bis ins Waldviertel) und verkaufen ihre Sachen. Da kauf ich am liebsten. Ob es sowas am Naschmarkt auch gibt? ?(
      In jedem Fall sollte man lieber bei der U-Bahn-Station "Kettenbrückengasse" beginnen. Oder anders gesagt: wenn am Karlsplatz beginnt, sollte man nicht gleich kaufen ;) Je näher zur Kettenbrückengasse, desto günstiger. Und wenn überhaupt stehen dort auch die Bauern.
      Wer nicht genießt, ist ungenießbar... (Konstantin Wecker)
      @Haendlmaierin: wie sieht's denn heute auf dem Viktualienmarkt aus? Mein letzter Besuch dort ist schon einige Jahre her, und ich meine mich zu erinnern, dass da auch etliche Bauern aus dem Münchner Umland ihre Produkte anboten.
      Ich hatte gehofft, dass VOX uns mit wenigstens 1 Teilnehmer dieser Woche dort hinführt!
      Wissen ist Macht.
      Unwissen macht auch nichts.
      Wie gesagt, ich war auch schon mindestens 1 Jahr nicht mehr dort.
      Ich hab den alten Bauernmarkt, der im hinteren Teil an der Frauenstraße war, das letzte Mal nicht mehr gesehen. Da waren keine festen Stände, sondern Holztische und passende Gestelle auf denen die Bauern aus der Umgebung, Obst, Gemüse und Blumen auslegen und verkaufen konnten. Ich glaube mich zu erinnern, dass das nur Freitag und Samstag der Fall war, bin mir aber nicht sicher.
      Es ist alles dort auch stark im Wandel, seit Jahren steht ein Sanierungsplan in Diskussion, ich meine gelesen zu haben, dass er jetzt durch ist, Umbauzeit 3 Jahre.
      Seitdem man vor ca. 12 Jahren dann den Rossmarkt aufgegeben (da gab es noch Lebendvieh wie Enten, Gänse und Hühner zu kaufen) und stattdessen die Schrannenhalle hingeklotzt hat, hat sich der Markt deutlich verändert. Das Ganze war aber inhaltlich ein Flop und so hat man die Halle innen bald wieder umgebaut, jetzt gibt es dort italienische Spezialitäten. Ziemlich stylisch, da hält man sich auf. :whistling:

      Früher hab ich Fisch nur auf dem Viktualienmarkt geholt, aber nachdem ich in zwei unterschiedlichen Standl wirklich mangelhafte Ware angedreht gekriegt habe -für horrendes Geld- , kaufe ich dort definitiv nichts mehr. Denen ist der Erfolg zu Kopfe gestiegen, völlig abgehoben.
      Fleisch hingegen im vorderen Bereich in den Landmetzgereien in der Ladenzeile und gegenüber der Heilig Geist Kirche, war immer gleichbleibend von guter Qualität und netter Beratung.
      Die meisten Hühner werden schon als Eier in die Pfanne gehauen!